Dirk Hesse:„Auf der Rückfahrt stand mein Handy nicht mehr still“

Als aktiver Handballer zählt Dirk Hesse ohne Frage zu den prägendsten Figuren der letzten drei Jahrzehnte beim SV Eiche 05 Biederitz. Über das Ende der erfolgreichen Oberliga-Zeit in der Ära Ernst Gerlach hinaus hat der 47-Jährige zusammen mit Co-Trainer Ronald Schmidt nun auch als Coach der männlichen B-Jugend sein Meisterstück abgeliefert. Im Gespräch mit Sportredakteur Björn Richter verrät der frühere Spielmacher das Erfolgsrezept des mitteldeutschen Champions und warum der Triumph mit einiger Verspätung auch aus persönlicher Sicht eine Genugtuung ist.

Herr Hesse, Ihre eigene Spielerkarriere war gewiss nicht arm an Erfolgen. Gab es als Aktiver einen Moment, der mit dem Triumph der männlichen B-Jugend vergleichbar ist?

Da müssen wir ein bisschen früher ansetzen. Ich selbst bin in der B-Jugend Landesmeister geworden. Zusammen mit einigen anderen  Biederitzern haben wir damals mit dem FSV 1895 Magdeburg diesen Erfolg feiern dürfen. Die Chance auf weiterführende Meisterschaften blieb uns allerdings verwehrt, weil der SCM dazwischenkam und an unserer Stelle an den Start ging. 30 Jahre später hat sich also der Kreis auch aus persönlicher Sicht geschlossen.

Hätte Ihnen vor der abgelaufenen Saison jemand prophezeit, dass Ihre Mannschaft die Landesmeisterschaft gewinnt und der Weg mit dem Sieg bei der MHV-Bestenermittlung endet – wie wäre Ihre Reaktion ausgefallen?

Uns war im Vorfeld durchaus bewusst, dass wir dieses Mal die Chance besitzen, es relativ weit zu bringen. Einfach, weil wir alle zwei Jahre jene Mannschaft beisammen haben, die beispielsweise auch vor zwei Jahren als männliche C-Jugend Vizelandesmeister hinter dem SCM geworden sind. Als Ziel hatten wir daher durchaus einen Platz unter den ersten Drei anvisiert. So wie aber insbesondere der Saisonstart verlaufen ist, hätte niemand angenommen, dass wir am Ende ganz oben stehen.

Nach vier Hinrundenspieltagen war Ihr Team bereits mit zwei Niederlagen belastet. Bekanntlich sollten bis zuletzt keine weiteren Minuspunkte hinzukommen. Was hat die Wende gebracht?

Das lässt sich ziemlich genau auf den Neustart nach der coronabedingten Unterbrechung zwischen November und Januar zurückführen. Mit Blick auf die gesamte Vorbereitung und das Stimmungsbild innerhalb der Mannschaft ergaben sich vor dem Wiedereinstieg viele Fragezeichen. Als wir dann aber direkt beim Mitfavoriten in Westeregeln einen 29:28-Auswärtserfolg eingefahren haben, lösten sich diese schnell in Luft auf. Ab da war klar, dass vieles möglich ist.

Was macht die Mannschaft nun aber so stark?

Eindeutig der Zusammenhalt. Mit Torhüter Gustav Nafe haben wir im Laufe der Jahre nur einen externen Zugang erhalten, der aber keinerlei Eingewöhnungsschwierigkeiten hatte. Alle anderen spielen seit den Minis zusammen. Als Trainerteam haben wir die Jungs sozusagen direkt aus dem Kindergarten heraus übernommen. Daraus hat sich über die Jahre ein gewisses Leistungsniveau aufgebaut. Wir haben ja auch etliche Sportschüler in unseren Reihen. Daneben versuchen wir Trainer aber stets auch, auf die menschliche Entwicklung der Jungs Einfluss zu nehmen. Ohne eitel klingen zu wollen, aber ich denke, das ist uns ganz gut gelungen. Auch andere Vereine dürften bestätigen, dass wir im Auftreten nicht den schlechtesten Eindruck hinterlassen haben.

Das Gros des Teams rückt zur neuen Saison in die A-Jugend auf. Nehmen Sie das Selbstbewusstsein vom diesjährigen Triumph mit oder ist eher etwas Demut angesagt?

Wie zwischen allen Altersstufen im Nachwuchsbereich ist auch der Sprung in die A-Jugend kein kleiner. Vor allem körperlich, im Bereich Athletik und Kraft, werden wir nachlegen müssen. Dazu kommt das schwerere, größere Spielgerät. Ihren liebgewonnenen ,Damenball’ sind die Jungs ab sofort los. Rein spielerisch ist die Truppe natürlich so gefestigt, dass jeder auf dem Feld weiß, was sein Nebenmann macht. Ich hoffe und glaube, dass wir eine gute Rolle spielen werden, auch wenn wir die Ziele natürlich bescheidener formulieren müssen.

Richten wir den Blick noch einmal auf Sonntag zurück: Haben Sie mit einem solch triumphalen Empfang bei der Rückkehr vor der Ehlehalle gerechnet?

Es gab natürlich eine gewisse Vorahnung. Auf der Rückfahrt stand das Handy gar nicht mehr still. Ich glaube, allein auf dem Teilstück der A14 ab Dresden ist eine vollständige Akkuladung draufgegangen. Vor den letzten hundert Metern haben wir uns daher auch noch einmal auf dem Supermarktparkplatz gesammelt, um gemeinsam an der Halle anzukommen. Die Jungs haben sich diesen Empfang dann auch redlich verdient. Was mich persönlich vor allem überwältigt hat, war die Vielzahl an Glückwünschen – sei es aus der gesamten Gemeinde Biederitz, aber auch aus anderen Vereinen. Stefan Bußmann vom SV Eintracht Gommern war etwa einer der ersten Gratulanten. Daran zeigt sich, dass das Jerichower Land auch aus sportlicher Sicht zusammenhält. Und es erfüllt uns natürlich mit Stolz, durch unseren Erfolg in gewisser Weise Botschafter sein zu dürfen.

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