Güsener HC vs SV Eiche 05 Biederitz

Weder Hauptgewinn, noch Trostpreis
Handball Güsener HC und SV Eiche 05 Biederitz trennen sich im Verbandsliga-Derby 26:26 (16:14)-unentschieden
Güsen l Damit konnte nun wirklich kaum jemand rechnen, dass das Thema Risikomanagement in dieser letzten Auszeit des Spiels noch einmal ein heiß diskutiertes beim SV Eiche 05 Biederitz sein würde. 28 Sekunden waren im Verbandsliga-Derby beim Güsener HC am Samstagabend noch zu spielen, die Gäste im Ballbesitz und beim Zwischenstand von 26:26 mit der Last der Entscheidung gestraft: Den Torhüter gegen einen sechsten Feldspieler tauschen oder in Unterzahl die Minimalchance auf den Sieg suchen? „Die Sicherheitsfanatiker in unseren Reihen haben sich durchgesetzt“, verriet Peter Pysall und man hörte dem Gästetrainer an, dass er selbst nichts lieber getan hätte, als in diesem Pokerspiel alle Chips in die Mitte des Tischs zu schieben.
Auf der Gegenseite mochten sich die ersten Momente nach der Schlusssirene anfühlen, als hätte der GHC gerade einen Royal Flush gegen den Trostpreis eingetauscht. Immerhin behaupteten die Gastgeber nach 50 Minuten noch eine 24:20-Führung. Coach Eric Steinbrecher zeigte sich jedoch schnell gefasst: „Wenn wir auswärts vier Tore aufholen, fühlt sich so ein Unentschieden auch wie ein Sieg an. Aber für uns ist das keine Niederlage. Biederitz ist eine der Mannschaften, die am Ende oben stehen werden. Wir müssten nominell vielleicht auch dazuzählen, aber man hat eben auch gesehen, dass wir noch Erfahrungen sammeln müssen.“
Verjüngte Gäste drückten dem Derby dann auch in den ersten 25 Minuten den Stempel auf. Angefangen beim 2:3 (6.) durch einen glänzend aufgelegten Robin Urban (neun Treffer), behauptete der SV Eiche 05 dank schnellem Passspiel und mit viel Übersicht die Führung und baute diese nach einem Dreierpack von Felix Eix zwischenzeitlich auf 9:5 aus (18.). „In der Endphase der ersten Hälfte waren unsere Abschlüsse dann allerdings zunehmend unvorbereitet und nicht mehr so konsequent“, haderte Pysall, der so das Momentum in Richtung der Güsener kippen sah.
Auch, weil die Fehlwurfquote bei den Gästen nach Wiederbeginn stieg, übernahm der GHC das Kommando und warf nach 43 Minuten eine 21:17-Führung heraus. Auffällig jedoch, dass der sonst so durchschlagskräftige Rückraum nur selten in Erscheinung trat. „Biederitz hat nach der Pause offensiver gedeckt und einfach nicht zugelassen, dass wir das spielen, was wir gern möchten“, so Steinbrecher.
Immer häufiger liefen sich die Seinen nun im Angriff fest und wenn einmal nicht zu den Außen Dominic Schulz und Philip Ladwig abgeräumt wurde, hatte sich auch Eiche-Keeper Andy Gronemeier, der es in Hälfte zwei auf neun Paraden brachte, auf die teils zu halbherzigen Würfe beim Gegner eingestellt. „Trotzdem müssen wir uns in den letzten zehn Minuten cleverer anstellen“, monierte Steinbrecher. Das Polster seines Teams schmolz zusehends zusammen.
Nachdem Urban zum 26:26 ausgeglichen hatte (59.), kam also noch einmal Dramatik ins Spiel: Bei noch 45 Sekunden Spielzeit kassierte Eiches Stephan Holzgräbe nach einer Abwehraktion gegen Christian Haßbargen die Zeitstrafe, zusätzlich bekam Güsen den Siebenmeter zugesprochen. Julian Schmälzlein scheiterte jedoch an Gronemeier und ließ die Chance auf den Heimsieg verstreichen. Glück für den GHC, dass auch der eingangs erwähnte letzte Biederitzer Angriff versandete, wobei das Unentschieden letztlich  ein gerechtes Resultat war.
„Chapeau vor den Jungs, dass sie in dieser aufgeheizten Atmosphäre noch so einen Rückstand aufholen“, lobte Pysall, um am Ende doch auf die verpasste Gelegenheit zu verweisen: „Im ersten Spiel (30:22 bei der HSG Börde, Anm. d. Red.) lag unsere Angriffseffektivität bei 75, gegen Güsen nur bei 57,7 Prozent. Wenn wir da noch eine Kohle mehr draufgepackt hätten …“
Güsen: T. Prause, Bonitz – Fritz (1), Schulz (4), Mache, Beck, Teßmann (4), Lepper (2/1), C. Haßbargen (4/4), Faber (1), Ladwig (3), Keil, Schmälzlein (4), S. Bretschneider (3)
Biederitz: Gronemeier, Tschirschwitz – Urban (9), Holzgräbe (3), Köster, Kinast (2), Wentzel, Herrmann, Held, Steinweg (3/2), Schneider, Wohl, Daßler (5/2), Eix (4)
Siebenmeter: GHC 6/5 – SVE 5/4; Zeitstrafen: GHC 3 – SVE 5
Versprechen auf Hochspannung/Handball Güsen bittet ab 19 Uhr Biederitz zum Verbandsliga-Derby
Güsen/Biederitz l Trotz seiner gerade einmal 17 Jahre weiß natürlich auch Robin Urban, wie es sich anfühlt, wenn die gesamte Halle gegen einen ist. Auch der ein Jahr ältere Moritz Steinweg ist mit genügend Handball-Wassern gewaschen, um sich von Sprüchen oder einem versteckten Foul nicht aus dem Spiel nehmen zu lassen. Und trotzdem geht es für die beiden Youngster stellvertretend wie für alle Aufrücker aus dem Nachwuchs beim SV Eiche 05 Biederitz in dieser Verbandsliga-Saison vornehmlich darum, im Männerbereich anzukommen. „Sie haben sich bereits etwas frei geschwommen und verfügen über super Ansätze. Jetzt müssen wir ihnen aber noch Lösungen dafür an die Hand geben, wenn ein paar ältere, dickere und faulere Abwehrspieler vor ihnen stehen, die nicht jede Bewegung mitmachen“, umreißt Eiche-Trainer Peter Pysall gewohnt lakonisch den Entwicklungsprozess seiner Youngster. Den nächsten Schritt sollen seine Schützlinge dann auch heute Abend bei der schweren Prüfung im Derby beim Güsener HC gehen.
Bis dorthin hat sich natürlich auch die Nachricht von der Frischzellenkur beim bevorstehenden Gegner herumgesprochen. Bei GHC-Trainer Eric Steinbrecher ist die Vorfreude auf die Begegnung, die im Vorjahr mit 33:32 an sein Team ging, ehe die Pandemie den Sport im Land ein weiteres Mal zum Erliegen brachte, entsprechend groß: „Es ist spannend zu hören, dass sich Biederitz verjüngt hat. Ich rechne mit einem Spiel auf hohem Niveau und einem ähnlich knappen Ausgang wie in der vergangenen, abgebrochenen Saison.“ Und auch wenn der Vergleich letztlich in der annullierten Spielzeit nicht in die Wertung einging, bemüht auch die Gegenseite den Rückgriff auf Oktober 2020: „Es lassen sich einige Erkenntnisse aus der Partie im Vorjahr ziehen“, so Pysall.
Was beide Kontrahenten neben vielen jungen Gesichtern eint, ist der erfolgreiche Start in die neue Spielzeit. Während die Biederitzer mit einem deutlichen 30:22-Erfolg von der HSG Börde zurückkehrten, mussten die Güsener beim 28:26 über den SV Wacker Westeregeln das Glück schon ein bisschen mehr bemühen. „Nach der langen Pause war der Auftritt beider Teams von viel Nervosität geprägt“, bekennt Steinbrecher, der zugleich aber nach dem spielfreien vergangenen Wochenende und intensiven Einheiten unter der Woche hofft, dass seine Sieben heute befreiter aufspielt.
Auch an der Ehle war man zuletzt zum Zuschauen gezwungen, was Coach Pysall als zweischneidiges Schwert ansieht. Einerseits „fehlt uns nach dem guten Auftritt in Oschersleben jetzt ein wenig der Rhythmus“, andererseits aber nutzten die Biederitzer die vergangenen beiden Trainingswochen zur weiteren Feinjustierung: „Ein paar Stellschrauben gibt es immer zu drehen. So stand die Arbeit im Abwehrverbund im Zusammenspiel mit den Torhütern weit oben auf unserer Prioritätenliste.“
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