Rückblende Benefizspiel vom Mittwoch

Ein Abend gegen den Schmerz

„100 Jahre Handball in Biederitz“ werden beim SV Eiche 05 von einem frühen Highlight eingeläutet. Das Gastspiel von Zweitligist Dessau-Roßlau hat aber einen ernsten Hintergrund.

Aus dem Mann mit der Trommel hat ein wenig das schlechte Gewissen gesprochen: „Eure Nachbarn werden sich für den Krach unter der Woche bedankt haben“, mutmaßte der Vertreter der Dessauer AG Stimmung am Mittwochabend. Doch zum einen dürften die Anwohner in der Biederitzer Schillerstraße inzwischen eine gewisse Toleranz gegenüber lauten Handballabenden aufgebaut haben. Zum anderen drehte sich im Duell zwischen dem gastgebenden SV Eiche 05 und den Zweitliga-Profis vom DRHV 06 ja auch alles um die gute Sache. Nach einem Einbruch in die Vereinsräumlichkeiten Ende November stand der Club über Nacht vor einem Schaden in fünfstelliger Höhe. „Um die Summe vollständig auszugleichen, müssten wir sicher eine ganze Reihe solcher Abende veranstalten. Dieser hat den Schmerz aber ganz erheblich gelindert und genau darum ging es“, fasste Eiches Vorstandsvorsitzender Michael Thielicke zusammen.

Für neuerlichen Missmut hat dann auch die letztendliche 22:56 (12:25)-Niederlage beim Gastgeber keineswegs gesorgt. Für Peter Pysall spiegelte das Ergebnis vielmehr den nicht zu leugnenden Drei-Klassen-Unterschied wider: „Wir sind nun mal Amateursportler. Und auch wenn unsere Durchschlagskraft noch nicht da ist, wo wir sie gern sehen würden, waren etliche Sachen dabei, die schon recht ordentlich liefen“, ordnete der Biederitzer Trainer ein und hatte vor allem die Anfangsphase im Sinn: „In der ersten Viertelstunde haben die Jungs ordentlich dagegengehalten. Sicher auch mit der Einschränkung, dass uns der Gegner nicht kannte.“ Denn als die letzten der 280 Besucher in der Ehlehalle gerade ihre Plätze eingenommen hatten, leuchtete auf der Anzeigetafel eine 3:1- (4.) beziehungsweise 6:4-Führung (7.) der Gastgeber auf.

Der anfängliche Rückstand entlockte DRHV-Coach Vanja Radic jedoch keinerlei Regung. Seine Gesichtszüge entspannten sich erst recht, als seine Schützlinge im ersten Auftritt nach 14-tägiger Pause ihren Gegner anschließend buchstäblich überrannten. Über die bis zur Perfektion einstudierte schnelle Mitte nach den immer seltener werdenden Gegentreffern und dem nach Ballgewinnen ohnehin halsbrecherisch hohem Tempo entzog der Bundesligist seinem Gegner zusehends den Zugriff aufs Spiel und hatte nach 25 Minuten bereits ein Zehn-Tore-Polster aufgebaut. So weit, so erwartbar.

Hatten  Joey Witte und Marvin Wohl in der ersten Hälfte noch vereinzelt eine Hand an den Ball bekommen, verlief der zweite Abschnitt aus Sicht der Biederitzer Torhüter zunehmend frustrierender. Erst recht für den Dritten im Bunde, denn Maximilian Wetzel hatte sich schon vor dem Anwurf bei der Erwärmung eine Oberschenkelzerrung zugezogen. „Das ist natürlich extrem enttäuschend, dass  er auf diese Weise um so ein Highlight gebracht wird“, fühlte Pysall mit seinem Keeper mit. Gleichwohl erschien die Rolle als Unbeteiligter minütlich verlockender, Denn während der DRHV weiter Hochgeschwindigkeits-Handball zelebrierte, war die Gegenwehr des SV Eiche 05 spätestens in der Schlussviertelstunde endgültig gebrochen. „Nach hinten heraus hätte ich mir trotzdem ein bessere Rückzugsverhalten gewünscht“, haderte Pysall, der nach der Schlusssirene aber auch durch eine nette Geste versöhnt wurde.

Der 65-Jährige hatte schließlich zwischen 2007 und 2011 selbst die Geschicke an der Dessauer Seitenlinie gelenkt und wurde beim Gang in die Kabine vom Fanblock der Gäste mit Sprechchören bejubelt. „Schön zu hören, dass man immer noch in Erinnerung geblieben ist. Aber das ist offen gesagt reine Nebensache. Wichtiger war der gute Zweck.“ Über einige persönliche Kontakte war der SV Eiche 05 im Dezember an die Muldestädter herangetreten. Vereinschef Thielicke schwärmte: „Dass dann ohne langes Zögern direkt die Zusage zur Unterstützung kam und schnell ein Termin gefunden wurde, ist einfach nur beeindruckend. Wir sind wirklich froh und den Dessauern unglaublich dankbar, dass wir gemeinsam mit ihnen die Halle so gut gefüllt bekommen haben. Für unsere Zuschauer und natürlich für die Spieler war das ein absolutes Highlight – wenn auch aus eher unschönem Anlass.“

Biederitz: M. Wohl, Wetzel, Witte – Urban (2), Richter (5), Kinast (1), Hesse, Janke (2), Beres (4), Held (2), P. Wohl (1), Hammecke, Daßler (3/1), Eix (2)

Dessau-Roßlau: Patzwaldt, Ambrosius – Gonschor (6), F. Haake (2), C. Haake (6), Drachau (5), Neagu (4), Powarzynski (5), Baumgart (2), Misovych (5), Schüler (12/3), Hertzfeld (1), Pusrt (8)

Siebenmeter: Eiche 1/1 – DRHV 3/3; Zeitstrafen: Eiche 0 – DRHV 1; Schiedsrichter: Becker/Arndt (Halberstadt/Biederitz)

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